Bei verschiedener Körperhaltung verteilt sich das Körperwasser unterschiedlich zwischen Blutgefäßen und Gewebe. Beim Übergang vom Liegen zum Stehen verringert sich der Wassergehalt in den Blutgefäßen um etwa 8 Prozent. Dadurch kommt es zu einer Konzentrationserhöhung der korpuskulären Bestandteile, der Blutfette, Proteine und protein-gebundener Analyte (zum Beispiel Calcium, einige Hormone). Längere venöse Stauung oder starke Körperbelastung zeigen die gleichen Effekte. Der Orthostaseeffekt führt durch Veränderung der Kreislaufsituation zu einem physiologischen Anstieg von Aldosteron, Renin, Noradrenalin und Adrenalin.
Nahrungsaufnahme
Ein leichtes, fettarmes Frühstück bewirkt kurzfristig einen Anstieg von Glucose, GPT, Kalium und Bilirubin; ist also ohne wesentlichen Einfluß auf die Konzentration vieler Untersuchungen. Sollten allerdings Analyte des Fettstoffwechsels bestimmt werden, ist unbedingt eine mindestens zwölfstündige Nahrungsmittel- und Alkoholkarenz einzuhalten.
Entnahmezeitpunkt
Einige Meßgrößen zeigen erhebliche Tageszeitabhängigkeiten. So liegen zum Beispiel die Maximalwerte von Eisen am Nachmittag, Cortisol, Adrenalin und Noradrenalin am frühen Morgen, sowie Renin, Aldosteron, STH und PTH in der Nacht. Für vergleichende Untersuchungen ist es also wichtig, die Blutproben immer zum gleichen Zeitpunkt abzunehmen. Außerdem sollte beachtet werden, dass einige Hormone (zum Beispiel Katecholamine, Cortisol, Prolaktin und STH) bei Streß vermehrt ausgeschüttet werden. Im Bereich der endokrinologischen Diagnostik unterliegen viele Parameter einer Zyklusabhängigkeit, die ebenfalls beachtet werden muß (LH, FSH, Östradiol usw).
Auch jahreszeitliche Schwankungen finden sich zum Beispiel beim Vitamin D3.
Pharmaka (Beispiele)
Medikamenteneinnahme kann zu Veränderungen diverser Laborparameter führen.
- AST und ALT:
Anstieg durch Carbamazepin, Paracetamol, Amiodaron, Oxacillin, Heparin (passager) - Creatinin:
Anstieg durch Cotrimoxazol, Salicylsäure, Cyclosporin
Weitere Hinweise hierzu finden sich in L. Thomas: Labor und Diagnose, 5.Aufl. S.1499
Bitte beachten Sie die entsprechenden Hinweise in den Produktinformationen der Präparate.
Körperliche Belastung
Starke körperliche Belastung kann zu Flüssigkeitsverschiebungen vom Intravasalraum in den interstitiellen Raum und somit zu einer Hämokonzentration führen. Proteine, proteingebundene Bestandteile und Blutzellen werden dann in erhöhter Konzentration gefunden. Im weiteren Verlauf zeigt sich häufig ein Anstieg von Muskelenzymen im Serum (LDH, CK, AST).
Diagnostische und therapeutische Maßnahmen (Beispiele)
Intramuskuläre Injektionen führen zu einem Anstieg der Muskelenzyme im Serum; Prostatapalpation evtl. zu erhöhter Konzentration von saurer Phosphatase und PSA, Anstieg von Lipase und Amylase nach ERCP.

